Glossar

Tastatur-Begriffe von A bis Z

Von N-Key-Rollover bis Stabilizer: die wichtigsten Begriffe rund um mechanische Tastaturen, kurz und verständlich erklärt.

6-Key-Rollover Technik

6-Key-Rollover (6KRO) bedeutet, dass die Tastatur neben den Modifiertasten bis zu sechs reguläre Tasten gleichzeitig korrekt meldet. Diese Grenze stammt vom USB-HID-Boot-Protokoll, dessen Report-Format genau sechs Tastencodes plus Modifier vorsieht und das im BIOS verlässlich funktioniert. Für die meisten Anwendungen reicht 6KRO aus, im anspruchsvollen Gaming wird jedoch N-Key-Rollover bevorzugt.

ABS Keycaps

ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) ist der günstigere der beiden gängigen Keycap-Kunststoffe. ABS lässt sich präzise spritzgießen und nimmt Farben gut an, neigt aber dazu, durch den Hautkontakt mit der Zeit zu glänzen (Shine). Hochwertige ABS-Caps von Herstellern wie GMK gelten dennoch wegen ihrer scharfen Legenden und satten Farben als Premium-Material.

Aktuierungskraft Switches

Die Aktuierungskraft ist die Kraft, die nötig ist, um einen Switch bis zum Auslösepunkt herunterzudrücken. Sie wird in Centinewton (cN) oder umgangssprachlich in Gramm angegeben, wobei gängige Cherry-MX-Switches zwischen 45 und 80 cN liegen. Leichtere Switches ermöglichen schnelles Tippen mit wenig Ermüdung, schwerere reduzieren versehentliche Anschläge.

ANSI-Layout Technik

Das ANSI-Layout ist der in den USA verbreitete Tastatur-Standard mit horizontaler, einreihiger Enter-Taste und einer langen linken Umschalttaste. Es besitzt eine Taste weniger als ISO und ordnet die Backslash-Taste oberhalb von Enter ein. Viele Custom-Keyboards und Gaming-Tastaturen setzen auf ANSI, weil dafür die größte Keycap-Auswahl existiert.

Anti-Ghosting Technik

Anti-Ghosting bezeichnet Maßnahmen, die das fehlerhafte Registrieren nicht gedrückter Tasten (Ghosting) verhindern. Technisch geschieht dies meist durch eine Diode hinter jeder Taste, die Stromrückflüsse in der Matrix blockiert. Anti-Ghosting ist die Voraussetzung für zuverlässiges Mehrtasten-Erkennen und wird häufig mit N-Key-Rollover kombiniert.

Bottom-out Switches

Bottom-out beschreibt das vollständige Durchdrücken einer Taste bis zum Anschlag des Gehäuses. Bei taktilen und linearen Switches liegt der Auslösepunkt deutlich vor dem Bottom-out, sodass man theoretisch tippen kann, ohne die Taste ganz durchzudrücken. Wer dennoch konsequent durchdrückt, erzeugt mehr Geräusch und benötigt etwas mehr Kraft als die reine Aktuierungskraft.

Dämpfung/Foam Aufbau

Dämpfung durch Schaumstoff (Foam) wird zwischen PCB und Plate oder am Gehäuseboden eingelegt, um Hohlräume zu füllen und das Klangbild zu verändern. Plate-Foam und Case-Foam reduzieren Hall und unerwünschtes Pingen der Federn, wodurch der Anschlag satter und dumpfer klingt. Die Dämpfung ist ein zentrales Werkzeug beim Klang-Tuning von Custom-Tastaturen.

Debounce-Zeit Messung

Die Debounce-Zeit ist ein kurzes Zeitfenster, in dem die Firmware mechanisches Prellen der Schaltkontakte (Bounce) ignoriert. Ohne Debouncing würde ein einzelner Tastendruck als mehrere Eingaben registriert. Typische Werte liegen bei 5 bis 8 Millisekunden, wobei niedrigere Werte die Latenz senken, aber das Risiko von Doppelanschlägen erhöhen.

Diode Aufbau

Eine Diode ist ein elektrisches Bauteil, das Strom nur in eine Richtung durchlässt. In der Tastaturmatrix sitzt hinter jeder Taste eine Diode, die verhindert, dass Signale über andere gedrückte Tasten zurückfließen. Erst dadurch wird echtes N-Key-Rollover möglich, da die Controller-Logik jeden Tastenzustand eindeutig auslesen kann.

Doubleshot Keycaps

Doubleshot bezeichnet ein Spritzgussverfahren, bei dem eine Keycap aus zwei separat gegossenen Kunststoffschichten besteht. Die Legende wird dabei als eigenes Plastikteil eingegossen und reicht durch die gesamte Cap, sodass die Beschriftung sich niemals abnutzen kann. Doubleshot-Caps sind langlebiger als bedruckte Tasten und ermöglichen kontrastreiche, mehrfarbige Legenden.

Gasket-Mount Aufbau

Gasket-Mount ist eine Montagebauweise, bei der die Plate über elastische Dichtungsstreifen zwischen den Gehäusehälften eingeklemmt wird. Die Plate hat keinen starren Kontakt zum Case, wodurch der Anschlag weicher federt und tiefer klingt. Gasket-Mount gilt aktuell als beliebteste Bauweise für hochwertige Custom-Tastaturen.

Gesamthub Switches

Der Gesamthub (Total Travel) ist die maximale Strecke, die ein Switch von der Ruhelage bis zum Bottom-out zurücklegt. Klassische Cherry-MX-Switches haben einen Gesamthub von rund 4 Millimetern, während Speed- und Low-Profile-Varianten mit etwa 3 Millimetern oder weniger auskommen. Ein kürzerer Gesamthub verkürzt die Wege und kann das Tippen oder Gaming beschleunigen.

Ghosting Technik

Ghosting tritt auf, wenn eine Tastatur bei mehreren gleichzeitig gedrückten Tasten eine nicht gedrückte Taste fälschlich registriert. Ursache sind fehlende Dioden in der Schaltmatrix, durch die sich Stromwege über mehrere Tasten kurzschließen. Beim Gaming kann Ghosting dazu führen, dass etwa eine Sprungeingabe verschluckt oder eine Phantomtaste ausgelöst wird.

Hall-Effekt-Switch Switches

Ein Hall-Effekt-Switch erkennt die Tastenposition über ein Magnetfeld statt über mechanische Kontakte. Ein im Stem verbauter Magnet bewegt sich auf einen Hall-Sensor zu, dessen analoges Signal die exakte Eintauchtiefe misst. Dadurch lässt sich der Auslösepunkt frei einstellen und Funktionen wie Rapid Trigger werden möglich, während berührungslose Schaltung den Verschleiß minimiert.

Hot-Swap Switches

Hot-Swap bezeichnet ein PCB mit gefederten Sockeln, in die sich Switches ohne Löten einstecken und wieder herausziehen lassen. So kann man Switches tauschen, testen oder austauschen, ohne die Tastatur aufzulöten. Hot-Swap senkt die Einstiegshürde ins Hobby erheblich, da Experimente mit verschiedenen Switch-Typen risikolos möglich sind.

ISO-Layout Technik

Das ISO-Layout ist in Europa verbreitet und besitzt eine hohe, L-förmige Enter-Taste sowie eine zusätzliche Taste rechts neben der linken Umschalttaste. Es hat eine Taste mehr als ANSI und stellt für Sprachen wie Deutsch die Umlaute direkt bereit. Die deutsche QWERTZ-Belegung baut auf dem ISO-Layout auf.

Keycap Keycaps

Eine Keycap ist die aufsteckbare Tastenkappe, die auf dem Stem des Switches sitzt und die Berührungsfläche für die Finger bildet. Keycaps unterscheiden sich in Material, Profil und Beschriftungsverfahren und prägen Optik, Haptik sowie Klang einer Tastatur maßgeblich. Der Cherry-MX-Stem mit Kreuzaufnahme ist der De-facto-Standard für die Befestigung.

Keycap-Profil Keycaps

Das Keycap-Profil beschreibt Form und Höhe der Tastenkappen über die Reihen hinweg. Sculptured Profile wie OEM, Cherry und SA staffeln die Reihen unterschiedlich hoch und gewölbt, während Uniform-Profile wie XDA und DSA in jeder Reihe gleich geformt sind. Cherry ist flacher als das hohe OEM, SA ist besonders hoch und rund, DSA und XDA sind flach und einheitlich.

Latenz/Input-Lag Messung

Latenz oder Input-Lag ist die Zeitspanne zwischen dem physischen Tastendruck und der Verarbeitung des Signals durch den Computer. Sie setzt sich aus Debounce-Zeit, Scan-Intervall der Matrix und Polling-Rate zusammen. Niedrige Latenz im einstelligen Millisekundenbereich ist vor allem im kompetitiven Gaming relevant, im Alltag jedoch kaum spürbar.

Lube (Switch-Schmierung) Switches

Lube bezeichnet das gezielte Schmieren der beweglichen Switch-Teile mit speziellem Fett oder Öl. Durch das Lubing werden Reibung und Kratzigkeit reduziert, was den Anschlag geschmeidiger und das Klangbild satter macht. Lineare Switches profitieren am stärksten, während bei taktilen Switches zu viel Lube die spürbare Taktilität abschwächen kann.

N-Key-Rollover Technik

N-Key-Rollover (NKRO) bedeutet, dass eine Tastatur beliebig viele gleichzeitig gedrückte Tasten korrekt und unabhängig voneinander erkennt. Voraussetzung sind Dioden in der Matrix sowie ein USB-Report-Format, das über das HID-Boot-Protokoll hinausgeht. NKRO ist besonders im Gaming und beim schnellen Vielfinger-Tippen wichtig, wo viele Tasten parallel anliegen.

Optischer Switch Switches

Ein optischer Switch löst nicht über metallische Kontakte aus, sondern unterbricht beim Drücken einen Lichtstrahl, dessen Wegfall der Sensor registriert. Da keine physischen Kontakte verschleißen und kein Prellen auftritt, entfällt das klassische Debouncing und die Schaltung gilt als langlebig und schnell. Optische Switches finden sich vor allem in Gaming-Tastaturen.

PBT Keycaps

PBT (Polybutylenterephthalat) ist der höherwertige der beiden gängigen Keycap-Kunststoffe. PBT ist härter und hitzebeständiger als ABS und entwickelt durch seine raue Oberfläche kaum Glanz, weshalb es als langlebig gilt. Die Oberfläche fühlt sich texturierter an und behält ihre Haptik über Jahre, eignet sich aber weniger für besonders scharfe gegossene Legenden.

PCB Aufbau

Die PCB (Printed Circuit Board, Leiterplatte) ist die zentrale Platine, auf der Switches, Controller und Schaltmatrix sitzen. Sie liest die Tastendrücke aus und übergibt sie an die Firmware zur Verarbeitung. PCBs gibt es in gelöteter Ausführung oder als Hot-Swap-Variante mit steckbaren Sockeln, und sie können den Klang über Flex und Dicke beeinflussen.

Plate (Montageplatte) Aufbau

Die Plate ist eine Montageplatte zwischen Switches und PCB, die die Switches mechanisch fixiert und stabilisiert. Das Plate-Material bestimmt Steifigkeit und Klang erheblich: Aluminium klingt hell und ist steif, Polycarbonat federt weicher und dämpft, Messing klingt voll und schwer. Die Plate ist damit eine der wichtigsten Stellschrauben für Haptik und Sound.

Polling-Rate Messung

Die Polling-Rate gibt an, wie oft pro Sekunde die Tastatur ihren Zustand an den Computer meldet, gemessen in Hertz. Übliche Werte sind 1000 Hz, was einer Abfrage pro Millisekunde entspricht, während Gaming-Tastaturen teils 4000 oder 8000 Hz bieten. Eine höhere Polling-Rate senkt die theoretische Latenz, der praktische Vorteil oberhalb von 1000 Hz ist jedoch gering.

Pre-Travel Switches

Pre-Travel ist die Strecke, die eine Taste von der Ruhelage bis zum Auslösepunkt zurücklegt, bevor die Eingabe registriert wird. Bei Standard-Cherry-MX-Switches beträgt sie rund 2 Millimeter, bei Speed-Switches deutlich weniger. Ein kürzeres Pre-Travel lässt Eingaben früher auslösen, kann aber das Risiko versehentlicher Anschläge erhöhen.

QMK/VIA Messung

QMK ist eine quelloffene Tastatur-Firmware, die umfangreiche Belegung, Layer, Makros und Funktionen direkt auf dem Controller speichert. VIA ist eine grafische Oberfläche, die das Remapping bei kompatibler QMK-Firmware im laufenden Betrieb ohne Neukompilieren erlaubt. Zusammen bilden sie den Standard für frei konfigurierbare Custom-Tastaturen.

Rapid Trigger Switches

Rapid Trigger ist eine Funktion analoger Switches, bei der eine Taste sofort beim Loslassen deaktiviert wird, sobald sie sich ein Stück zurückbewegt, statt einen festen Rückstellpunkt abzuwarten. Dadurch lassen sich Tasten extrem schnell hintereinander auslösen, was vor allem in schnellen Spielen einen Vorteil bringt. Die Funktion setzt eine kontinuierliche Wegmessung voraus, wie sie Hall-Effekt-Switches bieten.

Silent-Switch Switches

Silent-Switches besitzen Dämpfungselemente aus Gummi oder Silikon am Stem, die das Geräusch beim Bottom-out und beim Rückstellen reduzieren. Sie sind als lineare oder taktile Varianten erhältlich und eignen sich für Büros oder gemeinsame Räume. Die Dämpfung kann den Anschlag etwas matschiger wirken lassen, da der harte Aufprall fehlt.

Stabilizer Keycaps

Stabilizer (Stabs) sorgen dafür, dass breite Tasten wie Leertaste, Enter und Shift gleichmäßig einsinken, auch wenn man sie am Rand drückt. Sie bestehen aus einem Drahtbügel und Gehäusen, die die Bewegung über die ganze Tastenbreite koppeln. Schlecht abgestimmte Stabs klappern oder hängen, weshalb Lubing und Tuning der Stabilizer ein wichtiger Teil des Klangbilds sind.

Switch (clicky) Switches

Ein clicky Switch erzeugt am Auslösepunkt sowohl einen spürbaren Widerstand als auch ein deutlich hörbares Klicken. Das Geräusch entsteht meist durch ein eigenes Bauteil wie eine Click-Bar oder einen Click-Jacket im Switch. Clicky Switches geben starkes Feedback und sind bei Tippfreunden beliebt, in geteilten Räumen wegen der Lautstärke aber oft unerwünscht.

Switch (linear) Switches

Ein linearer Switch bietet einen gleichmäßigen, glatten Tastenweg ohne spürbaren Widerstandspunkt und ohne Klickgeräusch. Die Kraft steigt über den gesamten Hub kontinuierlich an, sodass der Anschlag durchgehend weich wirkt. Lineare Switches wie Cherry MX Red sind im Gaming beliebt, weil sich Tasten schnell und ohne taktile Bremse betätigen lassen.

Switch (taktil) Switches

Ein taktiler Switch hat am Auslösepunkt einen spürbaren Widerstandsbuckel, der ohne lautes Klicken signalisiert, dass die Taste ausgelöst hat. Das haptische Feedback hilft beim Tippen, ohne die Taste bis zum Anschlag durchdrücken zu müssen. Cherry MX Brown ist ein klassischer Vertreter und gilt als guter Kompromiss zwischen linear und clicky.

Switch-Bounce/Chattering Switches

Chattering beschreibt das ungewollte mehrfache Auslösen einer Taste durch einen einzigen Druck. Ursache ist das mechanische Prellen (Bounce) der Schaltkontakte oder ein gealterter Switch, bei dem die Debounce-Logik nicht mehr sauber greift. Symptome sind doppelte Buchstaben trotz einmaligem Anschlag, was ein Test der Tastatur zuverlässig sichtbar macht.

Top-Mount Aufbau

Top-Mount ist eine Montagebauweise, bei der die Plate von oben mit der oberen Gehäusehälfte verschraubt wird. Die Konstruktion ist stabil und steif und ergibt einen festeren, direkteren Anschlag mit klarem Klang. Top-Mount war lange der verbreitetste Aufbau bei Custom-Tastaturen, bevor Gasket-Mount populärer wurde.